Stapf, stapf. Weiter geht es.
Wir nähern uns langsam dem Bereich, ab dem ich keinen gelernten Text mehr parat habe. Das ist nicht gut. Ohne gelernten Text kann man nicht arbeiten. Vom Blatt lesend kann man nicht frei spielen.
Glücklicherweise ist bald Wochenende, da kann ich dann einiges nachholen.
Es ist aber ganz gut, daß mir jetzt schon einiges mehr von der Figur bekannt ist. Das hilft beim lernen ungemein. Mit einer Phantasie im Kopf kann man die Worte viel leichter auf die Lippen kriegen und ihnen einen Sinn geben, der sich von selbst ins Hirn brennt. Selbst wenn man die Phantasie dann nochmal revidiert, finden sich die Worte dann wieder ein. Na gut, oft muß man dann nochmal reichlich kramen, um den Text in die neue Form einzubinden, aber im Prinzip läufts.
Text lernen macht ja eigentlich einen großen Teil der Arbeit für einen Schauspieler aus (ich sage bewusst nicht "die Hälfte der Arbeit" denn das stimmt nicht).
Text lernen die meisten Schauspieler nicht dem Wort nach. Nun - letztendlich hat da ohnehin jeder seine eigenen Methode.
Ich zumindest mal versuche zunächst den Sinn dessen, was ich zu sagen habe, zu erfassen. Wenn man diesen Sinn dann mit einer szenischen Phantasie oder dem seelischen Zustand der Figur verbinden kann, kommen die Sätze oft schon von selbst richtig heraus. Dann muß man "nur" noch Feinarbeit leisten, und die entstandenen Wortverdreher oder Nebensatzvergesser ausbügeln (was aber in der Regel doch nochmal zähe Paukerei bedeutet). Das heißt aber auch, daß sich mit dem Textlernen schon ein enormer Teil der Figurfindung verbindet - oder daß man sich mit einer guten Vorstellung über die Figur ans Lernen macht. Und nur so kann ein Text auch lebendig werden: indem er einem quasi von selbst richtig aus dem Mund purzelt. Alles andere ist ansonsten nur Aufsagerei.
So, das habe ich jetzt mal geschrieben, weil man doch als Schauspieler immer wieder gefragt wird, wie man denn eigentlich "diesen ganzen Text auswendig lernt". Ist immernoch für viele Menschen ein Faszinosum. Für uns oft auch...
Donnerstag, 17. Januar 2008
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